Die australische Geburtstagstortentradition

Minigolftorte

Die Australier lieben schöne Geburtstagstorten für Kinderpartys. Eine Geburtstagstorte muss nicht gut schmecken, sondern gut aussehen. Sie muss nicht appetitlich sein, stattdessen soll sie ein Kunstwerk darstellen. Mütter übertreffen sich gegenseitig bei der Kreation der Torten für ihre Sprösslinge und verbringen Stunden mit der Dekoration.

Als ich das erste mal zu einem Kindergeburtstag in Down Under eingeladen wurde, konnte ich kaum glauben, was ich sah: Die Torte war ein wunderschöner Zug, mit grüner Glasur überzogen und hübsch mit Süßigkeiten dekoriert. Das Auge isst ja bekanntlich mit, aber meine Geschmacksnerven wurden von der leuchtend grünen Farbe nicht angeregt. Der Zug gehörte in eine Kunstgalerie, nicht aber auf den Esstisch. Die arme Mutter tat mir leid, denn sie hat anscheinend lange gearbeitet, um dieses Kunstwerk hervorzuzaubern und dann wurde es in kurzer Zeit vernichtet. Die meisten Kinder aßen nur einen kleinen Teil und liefen dann davon, um mit ihren Freunden weiterzuspielen; denn leider hat die Zugtorte mit dem vielen Zucker und den Farbstoffen nicht wirklich gut geschmeckt. Wozu dieser Aufwand, dachte ich mir.

Ich habe mal bei Flickr einige Fotos herausgesucht, damit du eine Vorstellung von typisch australischen Torten hast:

Als ich später selbst Kinder hatte und zu mehr und mehr Kindergeburtstagen ging, merkte ich, dass es eine australische Tradition ist, prächtige Geburtstagstorten zu fabrizieren. Es wird nicht viel Arbeit mit dem anderen Partyessen gemacht. Oft gibt es Obst, Würstchen, Süßigkeiten und vielleicht noch ein wenig Kleingebäck. Die Torte ist aber der absolute Renner und alle Gäste warten ungeduldig auf deren Präsentation und auf das Singen des „Happy Birthday“ Liedes.

Einige Mütter haben die Kunst der Geburtstagstortenkreation so perfektioniert, dass sie damit ein kleines Nebeneinkommen verdienen können. Arbeitstätige und weniger kreative Mütter sind ihre besten Kunden.

Eine alternative zu den Geburtstagstorten sind Cupcakes. Diese sind kleine Törtchen, die hübsch dekoriert werden. Sie sind sehr beliebt, weil dann die hübsche Torte nicht zerschnitten werden muss. Stattdessen erhält jeder Gast sein eigenes dekoriertes Törtchen.

Oft backen Mütter eine Torte für die Party und dann noch Cupcakes als Mitbringsel für die Schulklasse. Ich backte auch ab und zu mal Cupcakes für die Schule. Es ist aber ein großer Aufwand, denn die Vorbereitungen für die Party kosten mir schon mehr als genug Zeit. Außerdem können die Kinder die Cupcakes schwer im Schulbus transportieren. Also, muss ich Kinder plus Cupcakes in die Schule fahren. Noch mehr Zeit verschwendet!

Cupcakes dürfen nicht mit Muffins verwechselt werden. Muffins sind größer als Cupcakes. Der Muffinteig ist ein schwerer Rührteig und wird luftig gerührt, damit die Muffins schön aufgehen können. Für die Cupcakes wird ein locker-leichter Rührteig benötigt, der fluffig wird und an Biskuitteig für Torten erinnert. Die Oberfläche der Cupcakes ist flach, damit sie glasiert und dekoriert werden können.

Auch Mütter, die sonst auf eine gesunde Ernährung achten, verwandeln die Torte oder die Cupcakes zu einem Märchengebilde, sei es nun ein Dinosaurier, ein Prinzessinnenschloss oder ein Teddybär. Meine Schwägerin ist solch eine Tortenmeisterin. Sie bäckt meistens einen gesunden Vollkornkuchen, versaut ihn aber mit schöner, bunter Zuckerpampe. Ein anderes Beispiel ist eine Freundin, die auf der Party ihres 2jährigen Sohnes nur gesunde Lebensmittel auftischte, dann aber einen blauen Kuchen servierte, der aussah wie Thomas, die Eisenbahn, und dessen blaue Farbe bei meinen Kindern am nächsten Tag auch blau wieder am anderen Ende heraus kam.

Oft lösen der Zucker und die Farbstoffe Hyperaktivität bei den Kindern aus und die Partys gehen zum Ende hin ganz schön wild her. Kein Wunder also, dass die meisten Partys nicht länger als 2 Stunden dauern.

Verstehen werde ich die australische Geburtstagstortentradition wohl nie, aber auch ich verspüre den Druck, ein Tortenwunder für den Geburtstagtag meiner Kinder herbeizuzaubern. Immerhin bin ich jetzt auch eine australische Mutter.

Ich bin eigentlich ein Vollkornfetischist: Mein Gebaeck enthält immer frisch gemahlenes Ökovollkornmehl, Honig (anstatt Zucker) und bei Schokoladenkuchen Ökokakao oder Ökoschokolade mit mindestens 70% Kakaoanteil. Die Glasur kann auch mal mit Erdbeeren oder Himbeeren gefärbt werden. Um mit den australischen Müttern mitzuhalten, lernte ich mittlerweile einige Tricks, um meine Torten zu verschönern. Bis jetzt hat sich noch niemand beschert, die Torten werden recht gut gegessen und es bleibt in der Regel nicht viel übrig. Hier sind einige Beispiele meine Kreationen:

Mich würde mal interessieren: Wie ist das heutzutage bei deutschen Kindergeburtstagen? Ist immer noch der gute alte Erdbeerkuchen angesagt oder werden inzwischen auch die Torten zu Märchenfiguren verwandelt?

4 Kommentare zu “Die australische Geburtstagstortentradition

  1. Keine Ahnung wie es in Deutschland ist, aber in Neuseeland gibt es genau solch ein Tortenwahn wie in Australien. Meine schoenste Kreation war ein 3 dimensionales Piratenschiff, aber ansonsten habe ich auch schon Schmetterlingen- , Feen- oder Dinosauriertorten herstellen duerfen. Somit verwende ich auch immer viel Zeit, um mir neue Kreationen zu den Geburtstagen meiner Kinder auszudenken. Leider essen die neuseelaendischen Kinder nicht so gerne gesunde Torten, sondern sie stehen besonders auf besonders suessen Kram, was nun nicht so mein Ding ist. Doch meine Kinder selbst lieben meine selbstkreierten Kuchen und ich denke, dass zaehlt dann doch am meisten.

  2. Hallo Irina!
    Ha, ich weiss wo Du den guten alten Erdbeerkuchen zuletzt in D’land bei einem Kindergeburtstag gesehen hast :-).
    Ich bin wirklich beeindruckt von den Tortenbildern, die Du hier gezeigt hast. Sehr interessant. Bei den meisten Kindergeburtstagen, zu denen meine Tochter eingeladen ist gibt es einfach nur Muffins. Kürzlich war sie sogar bei einem Geburtstag bei dem die Muffins noch in der Plastikverpackung vom Aldi waren…
    Eine Freundin von mir hat erzählt, sie hat für ihren Sohn eine Feuerwehrauto-Torte gebacken. Ich habe aber keine Bilder gesehen, weiss also nicht wieviel Aufwand sie reingesteckt hat.
    Ich habe letztes Jahr auch Muffins gebacken. Das geht schnell und die Kinder können sie bequem aus der Hand essen. Und sie waren auch nicht sonderlich gesund obwohl wir normal schon auf Vollkorn, Bio, etc. Wert legen.
    Ich habe den Eindruck, dass früher in Deutschland noch mehr Wert aufs Backen und auf tolle Torten gelegt wurde. Viele der berufstätigen Mamas backen heute gar nicht mehr selbst, höchstens eine Backmischung.
    Eigentlich sehr schade, es geht viel verloren durch die ständige Hektik und den Zeitdruck…
    Aber Hut ab vor den australischen Mamis – das sind richtige Kunstwerke!!!

    • @Tina: Dein Erdbeerkuchen war Klasse! Ich vermisse hier die schönen Erdbeeren. Die gekauften Erdbeeren schmecken einfach nicht so gut. Meine Pflanzen im Garten produzieren nur wenige Erdbeeren, die meist von Schnecken usw. gegessen werden. Aber ich muss sagen ein hübscher, aber ungesunder Dinosaurierkuchen ist besser als Muffins vom Aldi. Schade, dass die deutschen Mamis keine Zeit mehr zum Backen haben.

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